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500 Jahre Bauernaufstand in Tirol

wild. gedacht: Die JAGD IN TIROL Kolumne, Ausgabe März 2025.

9. Mai 1525. In Ketten betritt Peter Paßler den Domplatz von Brixen, ein Raunen geht durch die Menschenmenge. Zwei Jahre zuvor waren Paßler die Fischereirechte entzogen worden, was den Bauern zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasste: er erklärte der Stadt die Fehde und wurde schließlich festgenommen.

Nun sollte er in der Bischofsstadt verurteilt werden. Die Atmosphäre der Gerichtsverhandlung war so aufgeheizt, dass sie den Funken im Pulverfass des Tiroler Bauernaufstands entzündete. Was damals folgte, war nicht nur ein Aufstand gegen lokale Obrigkeiten, sondern Ausdruck eines tiefer liegenden gesellschaftlichen Bruchs. Ein Bruch, der – in gänzlich anderer Form – auch heute wieder spürbar wird.

Damals war das gesellschaftliche Gefüge in Schieflage geraten. Die Bauern trugen die Last von steigenden Abgaben und Frondiensten, während auf der anderen Seite die geistliche Fürsorge schwand und der Adel zunehmend rücksichtslos mit dem Land und seinen Bewohnern umging.

Besonders brisant war dabei auch die Jagd. Die alten Jagd- und Fischereirechte, die den Bauern nicht nur Stolz, sondern auch Nahrung gesichert hatten, waren ihnen genommen worden. Stattdessen durchzogen nun adlige Jagdgesellschaften ohne Rücksicht auf Äcker und Saat die Landschaft, während die Wildbestände durch übermäßige Hege zu einer Last für die Felder wurden.

Und heute? In einer völlig anderen Zeit klingen manche dieser Themen doch erstaunlich vertraut.

Was damals Frondienste und Abgaben waren, sind heute für viele Landwirte kaum mehr durchschaubare Auflagen und Abhängigkeiten. Wo einst der Adel mit Jagdgesellschaften durchs Land zog, ist es heute der Massentourismus, der kaum Rücksicht auf die Kulturlandschaft und den Rechten an Grund und Boden nimmt. Und wie damals ist es auch heute die Entfremdung der städtischen Gesellschaft vom ländlichen Raum, die zu Missverständnissen und Spannungen führt.

Dabei ist der Wert der landwirtschaftlichen Arbeit für die Allgemeinheit größer denn je – auch wenn nur mehr wenige direkt von der Landwirtschaft leben. Denn wer pflegt die Kulturlandschaft, in der Millionen Menschen Erholung suchen? Wer sorgt dafür, dass Wälder gesund bleiben, Almen artenreich, Wildbestände reguliert und die Flur in ihrer Vielfalt erhalten bleibt?

Hier treffen sich Landwirte, Forstleute und Jäger – die Gestalter des ländlichen Raums. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die nachhaltige Nutzung von Natur und Wild zu sichern. Weidgerechtigkeit ist ohne die ökonomische Realität der Grundbesitzer ebenso wenig denkbar wie eine langfristig ertragreiche Landwirtschaft ohne funktionierendes Wildtiermanagement.

Gerade in Zeiten wachsender Urbanisierung und Distanz zum ländlichen Raum ist es entscheidend, dass Jäger, Bauern und Forstleute gemeinsam agieren. Wie wichtig dieser Schulterschluss ist, zeigt die Wolfsthematik exemplarisch. Hier haben in den letzten Jahren Jäger und Landwirte zusammengearbeitet – mit ersten Erfolgen in der politischen Diskussion. Doch dies kann nur der Anfang sein.

Der Tiroler Bauernaufstand von 1525 ist daher Mahnung und Auftrag zugleich: Nur wenn jene, die den ländlichen Raum gestalten, an einem Strang ziehen, werden wir es schaffen diesen Raum für die Zukunft zu bewahren.

Text von Patrick Gamberoni
Erstmals erschienen in der Ausgabe Juli/August 2025
JAGD IN TIROL – Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes

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