Ein Plädoyer für Tradition, Sprache & jagdliches Brauchtum – anlässlich des neuen Buches „Alte Hüte, gute Bräuche – Jägerbrauch in Südtirol“.
Wenn in Südtirol bei der Jagd Begriffe wie „Gratsch“ und „Greil“ fallen, wissen Einheimische sofort, worum es geht:
Die Gratsch – ein scheuer, bunter Waldvogel – ist der Südtiroler Dialektname für den Eichelhäher, während der Greil den Siebenschläfer meint, der in Dachböden, Obstgärten und Hochständen gleichermaßen zuhause ist.
Diese Ausdrücke stehen sinnbildlich für ein Stück gelebte, alpenländische Jagdkultur: eine Sprache, die aus dem Lebensraum geboren wurde – aus der Beobachtung, aus der Nähe zur Natur, aus überlieferten Namen, Bedeutungen und Bräuchen.
Doch wie viel davon kennen wir heute noch?
Alte Hüte, gute Bräuche – Jägerbrauch in Südtirol
Ein neues Buch will das ändern – und ist damit weit mehr als ein reiner Lehrband.
Veröffentlicht im Mai 2025 vom Südtiroler Jagdverband in Zusammenarbeit mit dem Athesia Tappeiner Verlag, umfasst der Band auf 128 Seiten einen eindrucksvollen Querschnitt jagdlichen Brauchtums in Südtirol.
Titel: Alte Hüte, gute Bräuche – Jägerbrauch in Südtirol
Verlag: Athesia Tappeiner
Erscheinung: Mai 2025
Hardcover, 128 Seiten
Preis: rund 28 €
Was steckt drin?
Bruchzeichen, Jägersprache, Gewand, Schmuck, Jagdhorn, Geselligkeit – das Buch dokumentiert in Wort und Bild, was Jagdtradition in Südtirol wirklich bedeutet.
Es zeigt, dass Jagd nicht nur Wildtiermanagement ist, sondern eine gelebte Kulturform, die sich über Generationen hinweg mit der Landschaft, mit Sprache und Kultur verwoben hat.
Besonders hervorzuheben ist ein Kapitel, das dialektale Jagdbegriffe, Tier- und Pflanzennamen sammelt – eine wahre Tirolensie, die nicht nur für Jäger, sondern auch für Sprachbegeisterte und Heimatliebhaber eine Fundgrube darstellt.
Fotografisch begleitet wurde das Buch von Simone und Nicol Santer, die eindrucksvolle Momente aus dem jagdlichen Jahreskreis eingefangen haben.
Verfasst wurde es von Heinrich Aukenthaler, dem langjährigen Direktor des Südtiroler Jagdverbandes und Ulrike Raffl, Wildökologin und Mitglied der Jagdprüfungskommission – beide tief in der Materie verwurzelt.
Für wen ist das Buch interessant?
- Für Jäger, die sich mit ihrer eigenen Rolle, mit Brauch und Ethik auseinandersetzen wollen.
- Für Kulturinteressierte, die sich für das Wechselspiel von Sprache, Kleidung, Klang und Natur begeistern.
- Für Liebhaber Südtirols, die die Region nicht nur bereisen, sondern auch verstehen wollen.
- Für junge Weidmänner und Weidfrauen, die ihr jagdliches Erbe kennen und bewahren möchten.
Warum dieses Buch gerade jetzt wichtig ist
In einer Zeit, in der immer mehr altes Wissen verloren zu gehen droht, ist es ein mutiger und wichtiger Schritt, ein Buch zu schaffen, das dem jagdlichen Brauchtum und der regionalen Ausdruckskraft Raum gibt – nicht als museales Objekt, sondern als lebendige Praxis.
Wer jagdliches Brauchtum reduziert auf Trachtenklischees oder Trinkgelage, wird durch dieses Werk eines Besseren belehrt: Es geht um Würde. Um Werte. Um die Verbindung von Mensch, Wild und Lebensraum.
Gerade wir bei voll.wild sehen in diesem Zugang einen starken Bezug zu unserer eigenen Philosophie: Jagd mit Respekt, mit Bewusstsein für Tradition und mit Freude an Sprache, Detail und Geschichte.
Verweise & Bezugsquellen
Das Buch „Alte Hüte, gute Bräuche – Jägerbrauch in Südtirol“ ist erhältlich:
- direkt beim Athesia Tappeiner Verlag
- im Autorenwelt-Shop (fair für Autoren)
- bei morawa.at und im lokalen Buchhandel
- Infos auch auf der Website des Südtiroler Jagdverbandes
Gratsch, Greil und Bruchzeichen – mehr als alte Wörter.
Sie erzählen von einem Wissen, das nicht verloren gehen darf.
Und von einem Selbstverständnis, das zwischen Hochsitz, Hornklang und Heimat wurzelt.
Wer jagt, trägt Verantwortung. Wer erinnert, bewahrt.
Und wer liest, wird verstehen.
Text: Patrick Gamberoni
