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Jagd im Fadenkreuz? Social Media und das Weidwerk

wild. gedacht: Die JAGD IN TIROL Kolumne, Ausgabe März 2025.

Roter Schweiß quillt aus der aufgeplatzten Wunde. Die Decke und das Erdreich glänzen warm vom Blut des erlegten Rehbocks. Ein braver Sechser. Der Schütze kniet freudestrahlend neben seiner Beute. Für den „letzten Bissen“ und den Inbesitznahmebruch war keine Zeit, versichert er, denn es musste ja schnell gehen an diesem Morgen. Nach der Morgenpirsch ist auch nur wieder vor dem Büro. Aber ein Foto muss schon sein. Eine alte Rehgeiß. Ein Jahrlingsbock. Ein Fuchsrüde. Ein totes Rotkalb. Oder eben der oben erwähnte Bock. Was eint diese Stücke? Sie finden sich, mehr oder weniger geschmackvoll präsentiert, auf jedem zweiten Foto vieler Jäger und Jägerinnen im Internet.


Für Nichtjäger und Nichtjägerinnen präsentieren wir uns dabei oft als genau das, was wir verbissen erklären, gerade nicht zu sein: Totschießer und Totschießerinnen. Selbstverständlich gehört das Beutemachen zur Jagd und auch die Freude über einen gut angebrachten Schuss. Aber auch die jagdliche Öffentlichkeitsarbeit geht uns alle an. Glauben Sie nicht? Jede jagdliche Aktivität von jedem und jeder Einzelnen von uns kann darüber entscheiden, wie die Jagd als Ganzes in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Da braucht es nicht die Treibjagd, bei der ein Mitjäger oder eine Mitjägerin den Trieb anstelle des Fasans ins Visier nimmt, auch nicht schreckliche Unfälle oder unbegreifliche Taten wie jene in Oberösterreich, um für schlechte Presse zu sorgen. Es reicht schon, wenn man auf dem Reviergang einen schlechten Tag hat und den Spaziergänger bzw. der Spaziergängerin unnötig forsch ermahnt, den lieben Fiffi an die Leine zu nehmen. Nicht umsonst ist der herrische und unwirsche Jäger ein bekanntes Motiv vieler Erzählungen unserer nichtjagenden Mitbürger und Mitbürgerinnen über uns Weidleute.


Seit einigen Jahren gibt es aber ein noch weitreichenderes Minenfeld, auf dem jeder und jede von uns der Jagd dienen oder ihr einen Bärendienst erweisen kann: die sozialen Medien. Facebook, YouTube, Instagram, TikTok – fast jeder und jede von uns ist inzwischen auf mindestens einer dieser Plattformen und viele zeigen auch jagdlich her, was sie so treiben. Vom Lebenshirsch bis zum Schüsseltreiben ist alles dabei, manches auch recht unappetitlich. Für eine positive Außendarstellung der Jagd hilft es, wenn wir uns an die Wurzeln der Jägersprache erinnern. Der jagdliebende Adel wollte die Damen der Gesellschaft vor allzu plastischen und blutrünstigen Jagdgeschichten schützen und entwickelte daher oft blumige Umschreibungen für das Weidwerk. Freilich müssen wir unser Tun weder verheimlichen noch schönfärben. Aber schon einige erklärende Worte können Nichtjägern und Nichtjägerinnen helfen, das Weidwerk besser zu verstehen. Ganz zu schweigen von einer Darstellung dessen, was wir neben dem Beutemachen alles für unsere Umwelt tun.


Das Internet ist kein geschützter Raum, in dem wir Jäger und Jägerinnen nur unter uns sind. Selbst scheinbar private Chatgruppen erreichen schnell eine breitere Öffentlichkeit als gedacht. Es gilt daher, genau abzuwägen, wie man sich online als Jäger oder Jägerin präsentiert und immer die nichtjagende Perspektive mitzudenken. Wenn jeder oder jede von uns um eine positive und aufklärende Darstellung der Jagd, online wie offline, bemüht ist, haben wir gute Chancen, auch die nächsten Generationen vom Mehrwert des Weidwerks zu überzeugen.

Text von Patrick Gamberoni
Erstmals erschienen in der Ausgabe März 2025
JAGD IN TIROL – Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes

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