Die „Jagd- und Schützentage“ auf Schloss Grünau in Bayern sind schon einige Wochen her. Zufällig traf Patrick (Wildtiroler) dort Meike, die hinter dem Instagram-Kanal Poesie der Jagd steht. Kurzentschlossen führten die beiden ein Interview und reflektierten dabei über die Bedeutung von Jagdlyrik und jagdlichem Brauchtum. Der Austausch wurde für ein Reel aufgezeichnet, doch technische Probleme führten zu einem Ausfall des Mikrofons, weshalb das Gespräch hier nun zumindest schriftlich festgehalten wird.
🔸 Über die Poesie der Jagd
Meike ist in ihrer Selbsteinschätzung zwar noch „blutige Anfängerin“ was Lyrik anbelangt, aber ihre Worte treffen mitten ins Herz. Es ist berührend, wie sie die Emotionen und Erlebnisse der Jagd in Gedichten und Zitaten einfängt und mit der Community auf Instagram teilt. Dabei stellt sie sich auch der Herausforderung, persönliche Gefühle zu teilen – etwas, das viel Mut erfordert.
🔸 Warum wir mehr Tiefgang brauchen
Vielfach und insbesondere in den sozialen Medien, wird die Jagd recht oberflächlich dargestellt: der Schuss, die Beute – das war’s. Doch Meike betont im Interview, wie viel mehr dahinter steckt. Jagdmomente berühren die meisten Jäger tief, regen zum Nachdenken an und verdienen es, in Worte gefasst zu werden. Eine Möglichkeit dafür ist die Jagdlyrik, welche aber immer mehr in Vergessenheit zu geraten droht – aktiv hält sie nur noch ein kleiner Dichterkreis am Leben.
🔸 Ein Appell an alle Jäger
„Jeder schreit nach Brauchtum, aber keiner macht es!“ – ein wichtiger Punkt, den Meike anspricht. Wir brauchen mehr Menschen, die unsere jagdliche Kultur mit Herzblut weitertragen, sei es durch Musik, Gedichte oder andere kreative Wege. Lasst euch daher von der „Poesie der Jagd“ inspirieren und traut euch, eure eigenen Gedanken oder Gedichte zu teilen. Vielleicht sogar direkt an Meike, die immer offen für Einsendungen ist und diese gerne weiterteilt.
Interview
Patrick:
Mich freut es sehr, heute die Meike hier auf Schloss Grünau getroffen zu haben. Liebe Meike, du betreibst auf Instagram einen ganz, ganz tollen Blog, der sich der Poesie der Jagd widmet – so auch der Name. Du bist selbst Autorin und Literatin, die das eine oder andere Gedicht mit der Community auf Instagram teilt und auch schöne Jagdzitate postet. Ich muss ehrlich sagen, ich freue mich immer sehr, deine Beiträge zu sehen, weil sie wirklich erhebende Momente und Gedanken sind, die Jagdmomente in schöne Worte fassen. Was ist denn deine Motivation hinter der Seite?
Meike:
Erstmal vielen Dank! Der Punkt ist, dass ich eigentlich noch ein blutiger Anfänger bin. Diese ganzen Gedichte, die ich teile – auch die, die von mir selbst stammen – mache ich erst seit diesem Jahr. Es hat mich Überwindung gekostet, das mit anderen zu teilen. Man macht sich ja irgendwie auch angreifbar, weil in so einem Gedicht oft sehr viele Emotionen und persönliches Gefühl stecken.
Patrick:
Das stimmt, das ist sehr persönlich.
Meike:
Genau. In einem Gedicht kommt immer viel Meinung und Gefühl von einem selbst zusammen. Anfangs habe ich mich gefragt: Soll ich das teilen oder nicht? Aber dann habe ich gemerkt, dass es gut ankommt und anderen gefällt. Das hat mich sehr gefreut. Außerdem hat der Account ja den Untertitel „jagdlicher Tiefgang“ und ich finde, das fehlt manchmal ein bisschen.
Patrick:
Ja, das fällt mir auch oft auf – diese Oberflächlichkeit. Man sieht oft nur den Schuss, die erlegte Beute und das war’s. Was dabei fehlt, ist für viele, glaube ich, das Wesentliche: diese Momente, die tief in einem brodeln, die einen wirklich berühren.
Meike:
Absolut. Selbst wenn ich schöne Worte finde, habe ich oft das Gefühl, dass ich den Kern nicht ganz treffe. Es ist ein Annähern, aber nie vollständig. Das macht so viel mit einem – und genau das möchte ich in meinen Gedichten wiedergeben.
Patrick:
Das ist ein wichtiger Punkt. Es gibt ja diese zwei Extreme: die einen, die die Jagd nur oberflächlich sehen, und die anderen, die aus dem Erlebnis Jagd tiefe Emotionen schöpfen.
Meike:
Richtig. Und dann gibt es die Jagdlyrik, die leider total in Vergessenheit gerät. Es gibt heute nur noch einen kleinen Dichterkreis für Jagdlyrik mit etwa 15 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist alles. Mehr gibt es da nicht. Und das finde ich sehr schade.
Patrick:
Das betrifft ja leider viele Bereiche der jagdlichen Kultur – sei es die Kleidung, das Jägerliedgut, die Musik oder eben auch das Jagdhornblasen.
Meike:
Genau! Jeder schreit nach Brauchtum, aber niemand macht es.
Patrick:
Ja, man muss es einfach tun. Es braucht Menschen, die das Brauchtum mit Leben füllen und weitertragen. Und dafür ist deine Seite unglaublich wichtig. Ich finde, was du machst, ist großartig und ich kann es nur jedem empfehlen: Bitte folgt der Meike, unterstützt sie und traut euch, selbst etwas beizutragen!
Meike:
Ja, gerne. Ich freue mich über Einsendungen und teile auch sehr gerne die Werke anderer.
Patrick:
Das ist wirklich super. Ich kann dir an dieser Stelle nur nochmals Danke sagen. Danke für das Gespräch und deine Arbeit liebe Meike.
