wild. gedacht: Die JAGD IN TIROL Kolumne, Ausgabe November 2024.
Die Abendsonne tauchte die Gipfel der Hohen Tauern gerade in ein rötliches
Licht, als wir nach einer atemberaubenden Murmeltierjagd bei
Speck, Graukäse und dem einen oder anderen Enzianschnapserl mit einer
Gruppe Einheimischer zusammensaßen. Als wir gerade über die moderne
Jagerei diskutierten, warf einer der Nichtjagenden in die Runde: „Iatz werdet
ihr doch båld mit die Drohnen in Abschuss måchen?“ Ich versicherte
zwar, dass mir sowas niemals in den Sinn käme, aber hatte er so unrecht?
Die Jagd ist so stark im Wandel wie noch nie zuvor. Hunderttausende von
Jahren hat der Mensch mit Speer, Pfeil und Bogen gejagt. Ganze Sippen waren
gemeinschaftlich unterwegs, um ihre Beute in Gruben und Fallen zu
treiben. Erst einen Wimpernschlag der Geschichte entfernt begannen wir,
Feuerwaffen jagdlich zu nutzen, dann erst kam das Fernglas. Vor etwas
mehr als 100 Jahren diskutierte man schließlich, ob das Zielfernrohr denn
weidgerecht sei. Ganz ähnlich debattieren wir heute über Wärmebild- und
Nachtsichttechnik, aber auch Drohnen und Apps bestimmen bereits unseren
jagdlichen Alltag.
Die Jagd spiegelt also die Entwicklung der Technik. Die Frage, die wir uns
daher stellen sollten: Wie viel Technik wollen wir nutzen, um unseren Bedürfnissen
entsprechend effizient, aber vor allem auch weidgerecht jagen
zu können?
Jagd ist bis zu einem bestimmten Punkt auch die Suche nach dem Abenteuer,
das Erleben von Natur und das Verlangen nach dem Unbekannten.
Wenn wir daher beginnen, unsere Reviere total zu überwachen, dem Wild
auf Schritt und Tritt nachstellen und zu jeder Tages- und Nachtzeit dank
Technikvorsprung weidwerken, nehmen wir uns einen guten Teil der Faszination,
welche die Jagd ausmacht.
Wir sind folglich an einem Punkt der Geschichte angekommen, wo wir uns,
auch um uns selbst die Freuden der Jagd aufrecht zu erhalten, in Mäßigung
beim Einsatz von Technik üben sollten. Andernfalls werden wir noch oft an
die Worte von Goethes Zauberlehrling denken müssen:
„HERR, DIE NOT IST GROSS!
DIE ICH RIEF, DIE GEISTER,
WERD ICH NUN NICHT LOS.“
Text von Patrick Gamberoni
Erstmals erschienen in der Ausgabe November 2024
JAGD IN TIROL – Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes
